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Begleitmaterial zum Impuls vom 3. Juni 2026
Reihe «Denken mit KI im Unterricht» · Team Denken mit KI
Marcel Weber, Co-Bereichsleiter PICTS/TICTS & Dozent Pflege HF, ZAG Winterthur
Hauptseite: Denken mit KI im Unterricht: KI als Sparringpartner & Tutor
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Eine Studierende mit KI (Eigene Darstellung erstellt mit KI, 2026)
Es ist kurz nach 22 Uhr. Eine Studierende der Pflege HF sitzt am Arbeitstisch, daneben ein halb getrunkener Tee, im Nebenzimmer schläft das Kind. Auf dem Bildschirm wartet ein Lernjournal, das morgen abgegeben werden soll. Sie öffnet ChatGPT – nicht weil sie es will, sondern weil sie sonst nicht fertig wird. Und während sie tippt, fragt sie sich leise: Ist das eigentlich noch in Ordnung?
Diese Szene ist keine Ausnahme, sondern Alltag. Sie ist mit ein Grund, weshalb dieser Impuls existiert. Denn die Frage ist längst nicht mehr, ob generative KI in unserer Bildung ankommt – sie ist da, an jedem Arbeitstisch, in jeder Pause, in jedem zweiten Lernjournal. Die Frage ist, wie wir als Lehrpersonen darauf antworten, ohne zu verbieten und ohne zu idealisieren.
Meine Haltung dazu lautet: KI ist weder Bedrohung noch Allheilmittel. Sie ist eine Gestaltungsaufgabe – und eine Chance, Bildung neu zu denken: menschlicher, dialogischer und reflektierter. Hinter dieser Haltung steht ein Traum: eine personalisierte Bildung, technologisch gestützt, aber personenzentriert gedacht. Technologie nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, um mehr Zeit für das zu schaffen, was zutiefst menschlich ist – zuhören, begleiten, gemeinsam denken.
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Kerngedanke: KI als Denkwerkzeug, nicht als Denkersatz. Mit KI denken – nicht das Denken delegieren.
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Wer heute über den Umgang mit KI in der Bildung diskutiert, diskutiert nicht über eine ferne Zukunft, sondern über die Gegenwart. Die Zahlen sind eindeutig, und sie lassen sich nicht wegmoderieren. Rund 81 % der Personen in Ausbildung – Studierende und Lernende – nutzen generative KI, drei Viertel davon im Rahmen der formalen Bildung (BFS, 2026b). Über 80 % der Studierenden setzen KI für Texte, Zusammenfassungen und Ideen ein, und über 70 % erwarten, dass KI ihre Arbeit deutlich verändern wird (ZHAW, 2024a, 2024b).
Genau deshalb hilft es wenig, so zu tun, als könnten wir die Nutzung verbieten. Sie findet statt – ob wir darüber sprechen oder nicht. Unsere Wahl liegt nicht zwischen «mit KI» und «ohne KI», sondern zwischen einer KI-Nutzung, die wir begleiten, und einer, die im Verborgenen bleibt.
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Der Zugang ist ungleich – die Bildungskluft: 52 % der Personen mit Tertiärabschluss nutzen generative KI, aber nur 17 % ohne nachobligatorische Ausbildung (BFS, 2026a).
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Diese Kluft ist der eigentlich unbequeme Befund. Wer KI souverän und reflektiert einsetzt, verschafft sich einen Vorsprung; wer den Zugang oder die Orientierung nicht hat, fällt zurück. Bildung, die Chancengleichheit ernst nimmt, kann das nicht ignorieren. Orientierung zu geben ist deshalb keine technische Kür, sondern Teil unseres Bildungsauftrags.

Roboter im Fitnessstudio (Eigene Darstellung, inspiriert von Hassler, Dominic, erstellt mit ChatGPT, 2025)
Um das Spannungsfeld greifbar zu machen, hilft mir eine Analogie. Stellen wir uns vor, Roboter würden für uns ins Fitnessstudio gehen und dort die Gewichte stemmen. Auf den ersten Blick wirkt das verlockend – die Arbeit ist getan, ganz ohne Schweiss. Auf den zweiten Blick stellt sich die entscheidende Frage: Wer wird hier eigentlich stärker?
Die Antwort ist ernüchternd und befreiend zugleich. Muskeln wachsen nicht vom Delegieren, und Kompetenz wächst nicht vom Prompting. Lernen lebt vom eigenen Tun. Wenn KI die Aufgabe übernimmt, entsteht zwar ein fertiges Produkt – aber die Kompetenz wächst nur dort, wo Menschen selbst anstrengen, prüfen, umformulieren, argumentieren. Kurz: wo Denken unter Last stattfindet.
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Bei falschem Einsatz trainiert nur die Maschine – stärker werden müssen wir.
KI ist ein Denkwerkzeug, kein Denkersatz.
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